Fibromyalgie: Diagnose

Fibromyalgie: Diagnose Fibromyalgie: Diagnose erfordert Ausschluss anderer Erkrankungen.

„Mit tut alles weh und keiner weiß, warum.“ Dieser Satz beschreibt die Situation vieler Menschen, die unter Fibromyalgie leiden, ohne es zu wissen. Auch wenn immer mehr Ärzte das Krankheitsbild gut kennen, so durchlaufen Betroffene oft eine lange Odyssee, bis die Diagnose Fibromyalgie endlich gestellt wird. Das bedeutet dann meist eine große Erleichterung für die Patienten – denn endlich hat ihr Leiden einen Namen. Doch welche Untersuchungen führt der Arzt durch? Und welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit die Diagnose Fibromyalgie gestellt werden kann?

Fibromyalgie: Welcher Arzt ist der Richtige?

Der erste Ansprechpartner ist in der Regel Ihr Hausarzt. Er kann im Zweifel weitere Fachärzte mit einbeziehen. Bis heute haben sich allerdings nur sehr wenige niedergelassene Ärzte auf die Diagnose und Behandlung der Fibromyalgie spezialisiert. Auch wenn sich einige Allgemeinmediziner, Rheumatologen, Orthopäden oder Internisten inzwischen gut mit dem Krankheitsbild auskennen, ist es oft nicht einfach, den richtigen Arzt für sich zu finden. Wertvolle Empfehlungen können andere Betroffene aus Ihrer Region geben. Zudem lohnt es sich, bei der örtlichen Selbsthilfegruppe nachzufragen. Immer noch gibt es Ärzte, die behaupten, dass es das Krankheitsbild der Fibromyalgie gar nicht gibt – dort sind Sie sicherlich nicht in guten Händen. Nicht zuletzt spielt neben der fachlichen Kompetenz aber auch die zwischenmenschliche Komponente eine zentrale Rolle.

Ist es Fibromyalgie?

Bei Fibromyalgie (wörtlich: Faser-Muskel-Schmerz) handelt es sich um eine Erkrankung, die durch chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen gekennzeichnet ist. Bei der Diagnosestellung werden verschiedene Kriterien zugrunde gelegt, die durch medizinische Fachgesellschaften bzw. Expertengremien definiert wurden. Dazu zählen die Klassifikationskriterien des Amerikanischen Kollegiums für Rheumatologie (ACR).

Auf Basis der ACR-Klassifikationskriterien aus dem Jahr 1990 liegt eine Fibromyalgie vor, wenn:

  • seit drei Monaten Schmerzen im Bewegungsapparat bestehen, für die keine andere offensichtliche Ursache ermittelt werden konnte
  • die Schmerzen im „Achsenskelett“ (z. B. Wirbelsäule, Brustkorb) und der rechten und linken Seite des Körpers und der oberen und unterer Körperhälfte auftreten
  • zusätzlich mindestens 11 von 18 sogenannten Tender Points druckschmerzhaft sind
Gut zu wissen: Das Vorliegen von mindestens 11 druckschmerzhaften Tender Points ist heute keine Voraussetzung mehr dafür, dass die Diagnose Fibromyalgie gestellt werden kann. Die Erkrankung kann auch dann vorliegen, wenn weniger Tender Points ermittelt werden.

Im Jahr 2010 wurden diese ACR-Kriterien modifiziert. Seitdem werden im Rahmen der Diagnosestellung auch verschiedene Schmerzskalen und Fragebögen zu weiteren Beschwerden (z. B. Erschöpfung, nicht erholsamer Schlaf, Konzentrationsstörungen, körperliche Symptome) ausgewertet.

Letzteres trägt der Tatsache Rechnung, dass Fibromyalgie-Patienten nicht nur unter chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen leiden, sondern zusätzlich auch Schlafstörungen, Müdigkeit und eine verstärkte Erschöpfungsneigung bestehen. In der deutschen wissenschaftlichen Leitlinie zum Fibromyalgie-Syndrom* werden deshalb die genannten Beschwerden als Kernsymptome der Erkrankung definiert.

Mehr zu den Symptomen

Ausschluss-Diagnose Fibromyalgie

Das Fibromyalgiesyndrom ist ein sehr komplexes Krankheitsbild, das schwer zu fassen ist. Daher ist es oft ein langer Weg, bis die Diagnose gestellt wird. Hinzu kommt, dass es sich um eine sogenannte Ausschluss-Diagnose handelt. Das heißt konkret, dass es nicht möglich ist, die Erkrankung durch einen bestimmten Test festzustellen. Vielmehr müssen zunächst andere Krankheitsbilder, die zu chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen führen, ausgeschlossen werden. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Entzündlich-rheumatische Erkrankungen (z. B. Rheumatoide Arthritis)
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
  • Zöliakie
  • Osteoporose
  • Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse
  • Über- oder Unterfunktion der Nebenschilddrüsen
  • Vitamin-D-Mangel
  • Neurologische Erkrankungen (z. B. verschiedene Muskelerkrankungen)

Zudem kann auch eine ganze Reihe verschiedener Medikamente zu entsprechenden Symptomen führen. Dazu gehören zum Beispiel bestimmte Antibiotika (z. B. Sulfonamide, Penicillin), Carbimazol (zur Therapie einer Schilddrüsen-Überfunktion) und einige Wirkstoffe, die die Produktion von Magensäure hemmen (Protonenpumpenhemmer, Cimetidin).

Gut zu wissen: Das Fibromyalgiesyndrom lässt sich nicht durch Labor- oder Röntgenuntersuchungen nachweisen.

Verdacht auf Fibromyalgie? Das macht der Arzt

Im Rahmen der Diagnosestellung wird Ihr Arzt zunächst Ihre bisherige Krankheitsgeschichte erheben und Sie zu Ihren Beschwerden befragen (Anamnese). Mögliche Fragen, die er Ihnen stellen wird, sind:

  • Seit wann leiden Sie unter den Schmerzen?
  • Wo genau treten die Schmerzen auf?
  • Leiden Sie unter Schlafstörungen?
  • Fühlen Sie sich häufig müde oder erschöpft?
  • Haben Sie andere körperliche Beschwerden?
  • Haben Sie seelische Beschwerden?
  • Sind bei Ihnen Grunderkrankungen bekannt?
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?

Zur genauen Erfassung der Schmerzorte kommt meist eine Schmerzskizze zum Einsatz, auf der der Patient die schmerzenden Körperbereiche markiert. Darüber hinaus wird ein Fragebogen eingesetzt, der dazu dient, die Stärke der Schmerzen und das Ausmaß der Beeinträchtigungen im Alltag zu erfassen.

Gut zu wissen: Sie leiden unter chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen und planen einen Arztbesuch zur Abklärung? Dann können Sie sich mit dieser Schmerzskizze und diesem Fragebogen optimal auf Ihren Termin vorbereiten.

Im Rahmen der Diagnostik können folgende weitere Untersuchungsverfahren zum Einsatz kommen:

  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht z. B. den Bewegungsapparat, die inneren Organe und das Nervensystem auf Auffälligkeiten. Unter anderem prüft er per Daumendruck, ob an bestimmten Körperstellen eine Druckschmerzhaftigkeit am Übergang zwischen Muskeln und Sehnen (engl.: Tender Points) besteht.
  • Laboruntersuchungen: Sie dienen dazu, andere Grunderkrankungen auszuschließen. Bei Fibromyalgie sind die Ergebnisse unauffällig. Das bedeutet, dass sich zum Beispiel keine Hinweise auf entzündliche Vorgänge im Körper (z. B. Rheuma) oder Stoffwechselerkrankungen ergeben.
  • Bildgebende Verfahren: Eine Röntgenuntersuchung oder andere bildgebende Verfahren können durchgeführt werden, falls sich Hinweise auf eine andere Erkrankung ergeben.

Falls erforderlich, kann Ihr Hausarzt Fachärzte wie z. B. Neurologen, Rheumatologen, Schmerzspezialisten oder Psychotherapeuten hinzuziehen.

Gut zu wissen: Nur wenige niedergelassene Ärzte haben sich auf die Behandlung von Fibromyalgie-Patienten spezialisiert. Oft können andere Betroffene aus Ihrer Region und regionale Selbsthilfegruppen wertvolle Informationen geben.
* Fibromyalgiesyndrom. Eine interdisziplinäre S3-Leitlinie. Hintergründe und Ziele – Methodenreport – Klassifikation – Pathophysiologie – Behandlungsgrundsätze und verschiedene Therapieverfahren. Der Schmerz 2012; 26.
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